
Novartis treibt seine Wachstumsstrategie über Zukäufe weiter voran und plant die Übernahme des US-Biotechunternehmens Excellergy für bis zu 2 Milliarden US‑Dollar. Der Schweizer Pharmakonzern will sich damit stärker im Bereich Immunologie positionieren, insbesondere bei Nahrungsmittelallergien und anderen Erkrankungen, die mit allergischen Sofortreaktionen verbunden sind. Der Abschluss der Transaktion wird für die zweite Hälfte 2026 erwartet und steht unter dem Vorbehalt der üblichen behördlichen Genehmigungen.
Im Zentrum des Deals steht der Medikamentenkandidat Exl‑111, ein sogenannter Anti‑IgE‑Antikörper, der sich noch in einer frühen klinischen Testphase befindet. Das Mittel zielt darauf ab, das Immunglobulin E (IgE) zu blockieren, einen entscheidenden Auslöser allergischer Reaktionen. Nach Unternehmensangaben bietet der Ansatz einen differenzierten Wirkmechanismus, der – sofern er in Studien bestätigt wird – eine schnellere Symptomlinderung, eine stärkere Krankheitskontrolle und eine bequemere Dosierung ermöglichen könnte.
Novartis sieht Anwendungsfelder für Exl‑111 unter anderem bei Nahrungsmittelallergien, Nesselsucht und allergischem Asthma. Auch der Einsatz bei Kindern wird geprüft. Der Konzern erwartet, dass der Kandidat das bestehende Allergie-Portfolio ergänzen und die Position im umkämpften Markt für immunologische Therapien stärken kann. Excellergy ist auf Behandlungen von Lebensmittelallergien und verwandten Krankheitsbildern spezialisiert und passt damit in die strategische Ausrichtung der Basler.
Der Excellergy-Kauf reiht sich in eine Serie größerer Transaktionen bei Novartis ein. Erst in der Vorwoche hatte der Konzern den Erwerb eines Brustkrebs-Medikamentenkandidaten von Synnovation Therapeutics für bis zu 3 Milliarden US‑Dollar bekanntgegeben. Mit solchen Vereinbarungen will Novartis seine Entwicklungspipeline ausbauen und sich gegen absehbare Patentabläufe im bestehenden Portfolio wappnen.

Die Wiener Börse hat nach einer kräftigen Vortagesrallye wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Der Leitindex ATX schloss am Donnerstag 0,70 Prozent tiefer bei 5.366,90 Punkten, nachdem er tags zuvor noch um deutliche 2,58 Prozent auf 5.404,63 Zähler zugelegt hatte. Am Mittwoch hatten Hoffnungen auf Verhandlungen zur Beendigung des Iran-Krieges die Kurse in Wien und an den europäischen Börsen nach oben getrieben – am Donnerstag dominierten dagegen Gewinnmitnahmen und neue Konjunktursorgen.
Belastet wurde das Sentiment vor allem von erneut merklich steigenden Ölpreisen. Diese schürten unter Investoren die Furcht vor anhaltendem Inflationsdruck und möglichen Belastungen für das Wirtschaftswachstum. Die Schlagzeilen zum Nahost-Krieg sorgten laut Analysten der Helaba weiter für ein „Wechselbad der Gefühle“ an den Finanzmärkten. Phasen der Hoffnung und Zuversicht würden sich mit Zeiten der Ernüchterung und Sorgen abwechseln, die Volatilität und Unsicherheit dürften in den kommenden Tagen und Wochen erhöht bleiben, hieß es in einem Tagesausblick.
Im Blickpunkt stand in Wien die Vorlage der Geschäftszahlen von Porr. Der Baukonzern steigerte seinen Gewinn im Jahr 2025 auf 136,7 Millionen Euro, ein Plus von 25,6 Prozent gegenüber 2024. Der Umsatz legte um 1,7 Prozent auf rund 6,3 Milliarden Euro zu, der Auftragseingang kletterte um 14,1 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Trotz dieser Verbesserungen schloss die Porr-Aktie 1,6 Prozent im Minus. Analysten der Erste Group werteten die Ergebnisse als weitgehend im Rahmen der Erwartungen, da zentrale Kennzahlen bereits vorläufig veröffentlicht worden waren. Das Management blickt auf das laufende Jahr 2026 zuversichtlich und sieht sich gegen steigende Energiepreise infolge des Iran-Krieges vorerst preislich abgesichert, warnt jedoch vor möglichen Auswirkungen eines längeren Konflikts auf die Materialpreise.
Deutlich unter Druck gerieten Technologiewerte. Die Titel des Leiterplattenherstellers AT&S gaben um 4,7 Prozent nach, nachdem sie am Vortag in einem starken Technologiesektor noch um mehr als elf Prozent gestiegen waren. Bereits zur Wochenmitte hatte die Wiener Börse neben Porr von kräftigen Kursaufschlägen bei AT&S (+11,58 Prozent auf 55,40 Euro), Lenzing (+6,02 Prozent) und Frequentis (+5,37 Prozent) profitiert, während unter anderem Flughafen Wien, Telekom Austria und UBM Development schwächer tendierten. Das Auf und Ab quer durch die Sektoren spiegelt den von geopolitischen Schlagzeilen, Ölpreissprüngen und Zins- wie Inflationssorgen geprägten Markt wider.