
Im ORF-Stiftungsrat steht am Donnerstag eine zentrale Personalentscheidung an: Die 35 Mitglieder des Gremiums bestimmen in einer nicht öffentlichen Sitzung in Wien, wer den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ab 1. Jänner 2027 als Generaldirektor oder Generaldirektorin führen wird. Für den Chefsessel ist eine einfache Mehrheit notwendig, mindestens 18 Stimmen sind erforderlich. Die Sitzung dürfte sich bis in den späten Nachmittag ziehen, da alle nominierten Bewerberinnen und Bewerber zunächst ihre Konzepte präsentieren müssen.
Als Favorit für die fünfjährige Funktionsperiode gilt der frühere APA-CEO Clemens Pig. Er trifft jedoch auf ein breites Feld erfahrener Medienmanager: Unter den insgesamt neun Kandidatinnen und Kandidaten finden sich der ehemalige ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker, ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer, Ex-HBO-Manager Johannes Larcher und ORF-III-Kogeschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz. Ebenfalls im Rennen sind „Exxpress“-Herausgeberin Eva Schütz, der frühere ServusTV-Chefredakteur Robert Altenburger, die langjährige ORF-Journalistin Sonja Sagmeister und die frühere ORF-Managerin Petra Höfer.
Die Hearings folgen einer zuvor ausgelosten Reihenfolge. Den Auftakt macht Zierhut-Kunz, den Abschluss Sagmeister. Dazwischen versuchen Höfer, Pig, Schütz, Larcher, Breitenecker, Altenburger und Totzauer, die Stiftungsräte von ihren Strategien für die Zukunft des ORF zu überzeugen. Pro Person sind 20 Minuten Präsentationszeit vorgesehen, daran schließt jeweils eine Fragerunde an. Insgesamt hatten sich 75 Personen fristgerecht beworben, doch nur 13 erfüllten nach Einschätzung einer Findungskommission die formalen Ausschreibungskriterien; neun von ihnen wurden von zumindest einem Stiftungsratsmitglied nominiert und damit für das Hearing zugelassen.
Verfahrensseitig steht die Bestellung der neuen ORF-Spitze unter besonderer Beobachtung. Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer, von der SPÖ nominiert, betonte, alle gesetzlichen Vorgaben seien eingehalten worden. Der von der FPÖ nominierte Stiftungsrat Peter Westenthaler kündigte hingegen bereits an, die Bestellung anfechten zu wollen. Für zusätzliche Transparenz sorgt, dass die Stiftungsratsmitglieder ihre Entscheidung erstmals begründen müssen – eine Folge des Europäischen Medienfreiheitsrechts, das nun Anwendung findet.
Fest steht bereits, dass an der ORF-Spitze ab 2027 eine neue Person stehen wird. Die amtierende Generaldirektorin Ingrid Thurnher hat auf eine neuerliche Bewerbung verzichtet. Sie verwies darauf, dass ihr in der verbleibenden Amtszeit mehr Freiheit bleibe, um Missstände aufzuarbeiten, strukturelle Weichen zu stellen und das Vertrauen in den ORF zu stärken. Gelingt im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit für eine der Bewerbungen, sieht das Verfahren eine Stichwahl zwischen den beiden stimmenstärksten Kandidatinnen oder Kandidaten vor. Bei Stimmengleichstand entscheidet die Stimme des Vorsitzenden.

Der Sporthändler Hervis stellt sein Österreich-Geschäft nach dem Eigentümerwechsel tiefgreifend neu auf und schließt heuer rund ein Fünftel seiner Filialen. Insgesamt 17 der aktuell 93 Standorte sollen im Laufe des Jahres 2026 vom Netz gehen, weil sie laut Unternehmen nicht rentabel zu betreiben sind. Betroffen sind Standorte in mehreren Bundesländern, darunter urbane Einkaufszentren ebenso wie Filialen in Regionalstädten. Bereits geschlossen wurden nach Firmenangaben die Geschäfte im Salzburger SAM Outlet sowie in Baden.
Hinter dem Umbau steht die Quantum Investment Holding GmbH mit Sitz in Wien, die Anfang des Jahres die bisherige Spar-Tochter übernommen hat. Jeweils 50 Prozent an Quantum halten laut Firmenbuch der deutsche Investor und Snipes-Gründer Sven Voth sowie Udo Schloemer, Gründer des Bürocampus Factory Berlin. Die neuen Eigentümer hatten im April zunächst das Auslandsgeschäft mit 43 Filialen in Slowenien, Kroatien und Deutschland an einen nicht genannten Investor abgegeben und konzentrieren sich nun auf die Straffung des Netzes im Heimatmarkt Österreich.
Von den Schließungen sind bundesweit rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Wie viele davon konkret in den einzelnen Bundesländern ihre Stelle verlieren, ist noch nicht vollständig ausgewiesen. Nach Unternehmensangaben wurde gemeinsam mit Betriebsrat und Gewerkschaft ein Sozialplan erarbeitet. Die Abwicklung der betroffenen Standorte soll schrittweise erfolgen, unter Einhaltung der Kündigungsfristen der jeweiligen Mietverträge.
Die Liste der Filialen, die bis Jahresende schließen sollen, ist lang: Neben den bereits aufgegebenen Standorten Salzburg (SAM Outlet) und Baden sind unter anderem die Filiale im Wiener Einkaufszentrum Q19, mehrere Geschäfte in Salzburg (Forum, Hallein, Bischofshofen), Tirol (Reutte, Kitzbühel), Kärnten (Feldkirchen), der Steiermark (Deutschlandsberg, Leoben, Liezen), Osttirol (Lienz) sowie vier Standorte in Oberösterreich betroffen – Perg, Steyr, Wels und Linz (Lentia). Die Restrukturierung soll Hervis nach Angaben des Unternehmens auf „zukünftige Markt- und Kundenanforderungen“ ausrichten und das Filialportfolio stärker auf ertragsstarke Standorte fokussieren.