Hervis-Beschäftigte im Umbau: Sozialplan für rund 100 Mitarbeitende

11.06.2026


Der Sporthändler Hervis stellt sein Österreich-Geschäft nach dem Eigentümerwechsel tiefgreifend neu auf und schließt heuer rund ein Fünftel seiner Filialen. Insgesamt 17 der aktuell 93 Standorte sollen im Laufe des Jahres 2026 vom Netz gehen, weil sie laut Unternehmen nicht rentabel zu betreiben sind. Betroffen sind Standorte in mehreren Bundesländern, darunter urbane Einkaufszentren ebenso wie Filialen in Regionalstädten. Bereits geschlossen wurden nach Firmenangaben die Geschäfte im Salzburger SAM Outlet sowie in Baden.

Hinter dem Umbau steht die Quantum Investment Holding GmbH mit Sitz in Wien, die Anfang des Jahres die bisherige Spar-Tochter übernommen hat. Jeweils 50 Prozent an Quantum halten laut Firmenbuch der deutsche Investor und Snipes-Gründer Sven Voth sowie Udo Schloemer, Gründer des Bürocampus Factory Berlin. Die neuen Eigentümer hatten im April zunächst das Auslandsgeschäft mit 43 Filialen in Slowenien, Kroatien und Deutschland an einen nicht genannten Investor abgegeben und konzentrieren sich nun auf die Straffung des Netzes im Heimatmarkt Österreich.

Von den Schließungen sind bundesweit rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Wie viele davon konkret in den einzelnen Bundesländern ihre Stelle verlieren, ist noch nicht vollständig ausgewiesen. Nach Unternehmensangaben wurde gemeinsam mit Betriebsrat und Gewerkschaft ein Sozialplan erarbeitet. Die Abwicklung der betroffenen Standorte soll schrittweise erfolgen, unter Einhaltung der Kündigungsfristen der jeweiligen Mietverträge.

Die Liste der Filialen, die bis Jahresende schließen sollen, ist lang: Neben den bereits aufgegebenen Standorten Salzburg (SAM Outlet) und Baden sind unter anderem die Filiale im Wiener Einkaufszentrum Q19, mehrere Geschäfte in Salzburg (Forum, Hallein, Bischofshofen), Tirol (Reutte, Kitzbühel), Kärnten (Feldkirchen), der Steiermark (Deutschlandsberg, Leoben, Liezen), Osttirol (Lienz) sowie vier Standorte in Oberösterreich betroffen – Perg, Steyr, Wels und Linz (Lentia). Die Restrukturierung soll Hervis nach Angaben des Unternehmens auf „zukünftige Markt- und Kundenanforderungen“ ausrichten und das Filialportfolio stärker auf ertragsstarke Standorte fokussieren.

Klimarisiko im Job: AK verlangt klare Stoppschwellen für Arbeiten bei großer Hitze

10.06.2026


Angesichts häufiger und längerer Hitzeperioden verschärft sich in Österreich die Debatte um den Schutz von Beschäftigten am Arbeitsplatz. Die Arbeiterkammer (AK) fordert verbindliche gesetzliche Grenzen für Arbeit bei hohen Temperaturen und ein klar geregeltes „Hitzefrei“. Hintergrund ist eine neue Studie der Medizinischen Universität Wien im Auftrag der AK, die erstmals umfassende Richtwerte für maximale Arbeitszeiten und notwendige Pausen unter Hitzebelastung vorlegt. Laut AK sind rund 400.000 Menschen im Land regelmäßig im Freien tätig – etwa auf Baustellen oder im Verkehrs- und Kommunalbereich – und damit besonders betroffen.

Die von Umweltmediziner Hans-Peter Hutter geleitete Untersuchung basiert auf mehr als 17.000 Einzelberechnungen. Sie verknüpft die Hitzewarnstufen der GeoSphere Austria mit der jeweiligen physischen Belastung am Arbeitsplatz. Das daraus abgeleitete Modell soll zeigen, wie lange unter bestimmten klimatischen Bedingungen noch sicher gearbeitet werden kann und wann zwingend Entwärmungsphasen nötig sind. Bereits ab 27 Grad Lufttemperatur sinkt demnach die geistige Leistungsfähigkeit, ab 30 Grad steigt das Unfallrisiko um 7 Prozent. Wird eine Körperkerntemperatur von 38,5 Grad erreicht, müsse die Arbeit nach Ansicht der Mediziner ausnahmslos unterbrochen werden.

Die Autoren der Studie warnen ausdrücklich davor, Hitzeschutz nur an der Lufttemperatur zu orientieren. Entscheidend seien auch Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, Strahlungswärme, die Art und Schwere der Tätigkeit sowie die getragene Kleidung. In der Praxis bedeutet das: Zwei Arbeitsplätze mit derselben Temperatur können ein völlig unterschiedliches Gesundheitsrisiko darstellen. Für die AK liefert das Modell damit die Grundlage, um politisch für konkrete Grenzwerte zu argumentieren – abhängig von der tatsächlichen Belastung und nicht nur vom Thermometer.

Ines Stilling, Bereichsleiterin Soziales der AK Wien, spricht von einem „wichtigen Erfolg“ mit Blick auf die neue Hitzeschutzverordnung, sieht aber weiteren Handlungsbedarf. Gefordert werden gesetzlich verankerte Belastungsgrenzen, die bei Gesundheitsgefährdung zu einem echten Hitzefrei führen – inklusive bezahlter Entwärmungspausen. Neben klaren Stoppschwellen für Arbeiten im Freien dringt die AK gemeinsam mit dem Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) zudem auf verbindliche Vorgaben für Innenräume. Es dürfe nicht sein, so Stilling, dass Beschäftigte krank werden, weil es keine klaren gesetzlichen Grenzen gibt. Betriebe müssten verpflichtet werden, die vorliegenden medizinischen Erkenntnisse umzusetzen; systematische Kontrollen durch die Arbeitsinspektion sollen die Einhaltung sicherstellen.